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Qualifikationsverfahren FaGe EFZ

QV FaGe: Ablauf, Gewichtung und Bestehensnormen

Was im QV Fachfrau/Fachmann Gesundheit EFZ geprüft wird, wie viel jeder Teil zählt und welche Noten du zum Bestehen brauchst. Mit Rechenbeispielen, Notenrechner und den häufigsten Fehlern bei der Vorbereitung.

Berufskenntnisse3 Std. · 30 %
Praktische Arbeit (IPA)4–6 Std. · 30 %
Allgemeinbildung20 %
Erfahrungsnote20 %
Bestanden, wennIPA ≥ 4 und Total ≥ 4

Der Beruf Fachfrau/Fachmann Gesundheit EFZ

Fachfrau/Fachmann Gesundheit (FaGe) ist eine dreijährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) und einer der meistgewählten Lehrberufe der Schweiz. FaGe arbeiten in Spitälern, Alters- und Pflegeheimen, in der Spitex, in der Psychiatrie, in der Rehabilitation und in Institutionen für Menschen mit Beeinträchtigung. Sie pflegen und betreuen, übernehmen medizinaltechnische Verrichtungen wie Blutentnahmen, Injektionen oder Wundversorgung und erledigen hauswirtschaftliche, administrative und logistische Aufgaben, immer unter der Verantwortung der diplomierten Pflegefachperson.

Grundlage sind die Bildungsverordnung (BiVo) FaGe EFZ des SBFI und der Bildungsplan der OdASanté, in Kraft seit 2017. Die Lehre endet mit dem Qualifikationsverfahren (QV), umgangssprachlich oft noch Lehrabschlussprüfung (LAP) genannt. Organisiert wird es von den Kantonen, also etwa in Zürich, Bern, Luzern, Aargau, St. Gallen, Basel, Thurgau, Graubünden, Solothurn oder Zug jeweils von der kantonalen Prüfungsleitung. Die Regeln dahinter sind schweizweit dieselben.

Die Gewichtung im QV FaGe

Im Regelfall (duale Grundbildung, Abschlussprüfung) besteht das QV aus vier Qualifikationsbereichen. Fahr mit der Maus über die Balken:

QualifikationsbereichForm und DauerGewicht
Praktische ArbeitIndividuelle praktische Arbeit (IPA) im Lehrbetrieb, 4–6 Stunden inkl. Fachgespräch mit Präsentation (40 Min.)30 %
BerufskenntnisseSchriftliche Prüfung, 3 Stunden, in Teile gegliedert, an einem Tag30 %
AllgemeinbildungNach den Mindestvorschriften ABU (Erfahrungsnote ABU, Vertiefungsarbeit, Schlussprüfung)20 %
ErfahrungsnoteSemesternoten der Berufsfachschule und der Bildung in beruflicher Praxis20 %

Quelle: Ausführungsbestimmungen zum Qualifikationsverfahren FaGe EFZ, OdASanté. Termine, Hilfsmittel und Bewertungsraster legt die kantonale Prüfungsleitung fest.

Praktische Arbeit: die IPA im Lehrbetrieb

Die praktische Arbeit findet in der Regel als individuelle praktische Arbeit (IPA) in deinem Lehrbetrieb statt, mit echten Klientinnen und Klienten. Sie dauert 4 bis 6 Stunden und schliesst ein Fachgespräch mit Präsentation von 40 Minuten ein. Die Expertinnen und Experten achten auf Fachkompetenz, Klientenzentrierung, Hygiene und Sicherheit, Kommunikation, Dokumentation und darauf, ob du dein Handeln begründen kannst.

Die IPA ist der einzige Bereich mit eigener Mindestnote. Unter 4 ist das QV nicht bestanden, auch wenn alle anderen Noten gut sind.

Das Theoriewissen hilft dir im Fachgespräch: Wer Normwerte, Prophylaxen und Hygieneregeln sicher kennt, begründet seine Entscheidungen ruhig und klar. Wie du beides verbindest, steht in der Lernmethode.

Berufskenntnisse: die schriftliche Prüfung

Die Prüfung dauert 3 Stunden und zählt 30 %. Die Aufgaben gehen fast immer von einer Situation aus: eine Bewohnerin mit Demenz, ein Patient nach Hüftoperation, eine Spitex-Klientin mit Diabetes. Danach wird gefragt:

  • Beobachten und einschätzen: Was ist normal, was weicht ab (Vitalzeichen, Haut, Ausscheidung, Bewusstsein)?
  • Priorisieren: Was tust du zuerst, wen informierst du?
  • Im Kompetenzrahmen handeln: Was darfst du als FaGe selbstständig, was nur auf Verordnung?
  • Begründen: Warum 30°-Schräglage, warum Händedesinfektion vor den Handschuhen, warum SBAR?
  • Rechnen: Dosierung, Tropfgeschwindigkeit, Flüssigkeitsbilanz, BMI.

Genau so sind die 2037 Fragen im Kurs gebaut, 387 davon mit einem Fallbeispiel. Zu den FaGe Prüfungsfragen

Allgemeinbildung und Erfahrungsnote

Die Allgemeinbildung (ABU) zählt 20 % und setzt sich nach den eidgenössischen Mindestvorschriften in der Regel aus der Erfahrungsnote ABU, der Vertiefungsarbeit und der Schlussprüfung zusammen.

Die Erfahrungsnote zählt ebenfalls 20 %. Sie besteht aus den sechs Semesternoten des berufskundlichen Unterrichts und in der dualen Ausbildung aus fünf Semesternoten der Bildung in beruflicher Praxis. Deine QV-Note beginnt also lange vor dem Prüfungstag. Wer laufend repetiert, holt bessere Semesternoten und ist am Schluss ruhiger.

Wann ist das QV FaGe bestanden?

Gemäss Ausführungsbestimmungen ist das QV bestanden, wenn

  1. die praktische Arbeit mindestens die Note 4 erreicht und
  2. die Gesamtnote mindestens 4 beträgt.

Die Gesamtnote ist der gewichtete Durchschnitt der vier Bereiche. Eine schwache Note in den Berufskenntnissen kann also ausgeglichen werden, zieht die Gesamtnote aber deutlich nach unten, weil sie gleich viel zählt wie die IPA. Wer nicht besteht, kann das QV höchstens zweimal wiederholen; in der Regel werden nur die ungenügenden Bereiche wiederholt.

Beispiel 1Anteil
IPA 5,0 × 30 %1,50
Berufskenntnisse 4,0 × 30 %1,20
ABU 4,5 × 20 %0,90
Erfahrungsnote 4,5 × 20 %0,90
Gesamtnote4,5 bestanden
Beispiel 2Anteil
IPA 3,5 × 30 %1,05
Berufskenntnisse 5,5 × 30 %1,65
ABU 5,0 × 20 %1,00
Erfahrungsnote 5,0 × 20 %1,00
Gesamtnote 4,7IPA unter 4

Notenrechner QV FaGe

Gib deine erwarteten Noten ein. Der Rechner zeigt die Gesamtnote und ob die Bestehensnormen erfüllt sind.

Vereinfachte Berechnung nach dem Regelfall, Gesamtnote auf eine Dezimalstelle gerundet. Verbindlich sind die Unterlagen deiner kantonalen Prüfungsleitung.

Die acht Handlungskompetenzbereiche A–H

Der Bildungsplan ordnet alle Kompetenzen in acht Bereiche. Sie sind die Grundlage der Prüfung und die Module des Kurses.

A

Umsetzen von Professionalität und Klientenzentrierung

Berufsrolle und Delegation, Kommunikation und SBAR, Urteilsfähigkeit und Erwachsenenschutz (ZGB), Berufsgeheimnis und Datenschutz, Ethik, transkulturelle Pflege, Qualität und Sicherheit.

210 Fragen
B

Pflegen und Betreuen

Körperpflege, Mobilisation und Kinaesthetics, Prophylaxen (Dekubitus, Sturz, Thrombose, Kontrakturen), Ausscheidung, Atmung und Sauerstoff, Ernährung und Dysphagie, Ruhe und Schlaf.

290 Fragen
C

Pflegen und Betreuen in anspruchsvollen Situationen

BLS-AED, medizinische Notfälle (Hirnschlag, Hypoglykämie, Schock, Anaphylaxie, Epilepsie), Palliative Care, Demenz, Delir und Depression, Aggression und Suizidalität, chronischer Schmerz.

234 Fragen
D

Ausführen medizinaltechnischer Verrichtungen

Vitalzeichen und Blutzucker, Blutentnahme, Medikamentensicherheit mit 6-R-Regel, Pharmakologie, s.c.- und i.m.-Injektionen, Infusionen und Sondenernährung, Wundversorgung.

302 Fragen
E

Fördern und Erhalten von Gesundheit und Hygiene

Händehygiene und Standardmassnahmen, Isolationen und Erreger (MRSA, Noro, C. difficile), Desinfektion, Sterilisation, Abfall, Arbeitssicherheit, Gesundheitsförderung.

179 Fragen
F

Gestalten des Alltags

Selbstständigkeit im Alltag, Aktivierung und Tagesstruktur, Angehörige und Netzwerk, Spitex, Kinder und Jugendliche.

105 Fragen
G

Wahrnehmen hauswirtschaftlicher Aufgaben

Lebensmittelhygiene, Mahlzeiten und Kostformen, Wäsche, Reinigung, Brandschutz und sichere Umgebung.

76 Fragen
H

Durchführen administrativer und logistischer Aufgaben

Pflegedokumentation und Pflegeprozess, Rapport, Prioritäten, Gesundheitswesen und Sozialversicherungen (KVG, UVG, AHV/IV, EL), Eintritt, Austritt und Material.

130 Fragen

Erwachsene: verkürzte Lehre, Art. 32 BBV, Validierung

Für Erwachsene gibt es mehrere Wege zum EFZ FaGe: die verkürzte berufliche Grundbildung, die direkte Zulassung zum QV nach Art. 32 der Berufsbildungsverordnung (in der Regel mindestens fünf Jahre Berufserfahrung, davon ein Teil im Berufsfeld) oder die Validierung von Bildungsleistungen. Die Prüfung in den Berufskenntnissen legst du auch über Art. 32 ab, oft nach Jahren ohne Schulbank. Eine strukturierte Repetition aller Bereiche A–H lohnt sich dann besonders. Die genauen Voraussetzungen klärst du beim Berufsbildungsamt deines Kantons.

Totalrevision der Bildungserlasse FaGe

Die OdASanté hat eine Totalrevision von Bildungsverordnung und Bildungsplan lanciert, mit Anpassungen bei der Gewichtung der Handlungskompetenzbereiche und Vereinfachungen im QV. Bis das SBFI die neuen Erlasse in Kraft setzt, gilt die BiVo 2016 mit dem Bildungsplan 2017. Massgebend ist immer die Verordnung, nach der dein Lehrvertrag läuft. Der Kurs basiert auf dem geltenden Bildungsplan 2017.

Die 7 häufigsten Fehler bei der QV-Vorbereitung

  1. Zu spät anfangen. Zwei Wochen Büffeln reichen nicht für A–H. Plane 10 bis 12 Wochen.
  2. Nur lesen. Wissen wird erst durch Abrufen stabil. Darum Quiz statt nochmals Skript.
  3. Die Lösung zu früh anschauen. Besser zuerst den Hinweis, dann selbst denken.
  4. Fachrechnen auslassen. Tropfen, Dosis, Bilanz sind sichere Punkte, wenn man sie übt.
  5. Schlüsselwörter überlesen. «zuerst», «nicht», «am wichtigsten» entscheiden die Frage.
  6. Kompetenzgrenzen vergessen. Oft richtig: beobachten, im Rahmen handeln, melden.
  7. Nie unter Zeitdruck geübt. 3 Stunden sind lang. Probeprüfungen in Echtzeit helfen.

Wie du diese Fehler vermeidest, zeigt die Lernmethode mit Lernplan-Generator.

FAQ

Häufige Fragen zum QV FaGe

Wie lange dauert die schriftliche Prüfung im QV FaGe?

Die Prüfung in den Berufskenntnissen dauert 3 Stunden, ist in Teile gegliedert und findet an einem Tag statt.

Wie ist das QV FaGe gewichtet?

Im Regelfall zählen die praktische Arbeit 30 %, die Berufskenntnisse 30 %, die Allgemeinbildung 20 % und die Erfahrungsnote 20 %.

Welche Noten brauche ich, um das QV FaGe zu bestehen?

Die praktische Arbeit muss mindestens die Note 4 erreichen und die Gesamtnote mindestens 4 betragen.

Wie lange dauert die IPA im QV FaGe?

Die praktische Arbeit dauert 4 bis 6 Stunden und schliesst ein Fachgespräch mit Präsentation von 40 Minuten ein.

Ist QV dasselbe wie die LAP?

Ja. Qualifikationsverfahren (QV) ist der offizielle Begriff, Lehrabschlussprüfung (LAP) die frühere und umgangssprachliche Bezeichnung für den Abschluss der beruflichen Grundbildung.

Wie oft kann man das QV FaGe wiederholen?

Höchstens zweimal. In der Regel werden nur die ungenügenden Qualifikationsbereiche wiederholt; die Details regelt die Bildungsverordnung.

Welche Themen kommen im QV FaGe vor?

Alle acht Handlungskompetenzbereiche des Bildungsplans, von Professionalität und Klientenzentrierung (A) bis Administration und Logistik (H), dazu Anatomie, Physiologie, Krankheitslehre und Fachrechnen.